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I am beautiful – Body Positivity als neuer Trend?

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Schon seit einigen Tagen sitze ich mit meinem Kaffee vor dem Laptop und sortiere, was mir zu dem Thema alles durch den Kopf geht. Body Positivity. Wieder so ein „denglisches“ Wort. Wie bin ich eigentlich darüber gestolpert?

Kürzlich ist mir bei kurvigeliebe.de über einen Beitrag zum Thema „Body Shaming versus Body Positivity“ aufgefallen. Schon der Titel weckte Emotionen. Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und bei dem Beitrag wurde ich auch an meine Geschichte erinnert. Diese Gedanken möchte ich heute mit euch teilen. Wichtig ist mir dabei: ich möchte keine Diskussion über gesundheitliche Faktoren eröffnen. Jeder Dicke weiß, dass es nicht gesund ist – genau wie jeder Raucher. Aber was viel wichtiger ist: Lasst uns ein Zeichen gegen Schubladendenken setzen.

Das bin übrigens ich. Aus einer guten Perspektive!

Damenhaftblog – Me, Myself and I

Body Positivity – was bedeutet das?

Simpel ausgedrückt bedeutet es, dass jeder Körper schön ist. Akzeptiert euch selbst, feiert eure Kurven und Makel, akzeptiert Körper die nicht perfekt sind, aus welchen Gründen auch immer: egal ob ihr zu dick seid, Orangenhaut oder Narben habt, ob Schwangerschaftsstreifen und weniger straffe Haut von der Geburt eurer Kindern zeugen. Im Schwerpunkt greift die Bewegung nach meinem bisherigem Empfinden allerdings das Thema „zu dick ist auch ok“ auf.


Die Zeitschrift „Die Welt“ sagt es in einem Beitrag so: „Body Positivity bedeutet: Unsere Freiheit wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern zwischen unseren Bäuchen und Achselhöhlen“. Der Beitrag in „Die Welt“ polarisiert. Er greift nicht nur die positive Seite der Bewegung auf, sondern er zeigt auch, dass das alles eigentlich erst der Anfang eines Umdenkens ist, dass die „Body Positivity Bewegung“ der Versuch einer kleinen Revolution ist und erst am Anfang steht. Die Autorin prangert an, dass es eben hauptsächlich Frauen sind, die den Aufschrei wagen: weil Frauen historisch bedingt am häufigsten diskriminiert wurden und bis heute werden. Frauen waren und sind noch lange nicht gleichberechtigt. Viele werden noch immer auf ihre Optik reduziert.

Kennt ihr diesen Moment am Strand? Ein Mann mit Waschbärbauch (leicht behaart und speckig) lästert über eine Frau mit leichtem Bauch, weil sie einen Bikini trägt? Wo ist der Unterschied? Ist ein Männerbauch über einer Badehose „schöner“? Nein. Aber es gibt genügende, die hier bei sich selbst die Ausnahme setzen. Da wird der „Männerbauch“ als hart erkämpftes Statussymbol zelebriert. Zum Glück sind nicht alle so.

Schlimm genug, dass in der heutigen Zeit die Werbekampagne von DOVE mit normalgewichtigen Frauen ein Novum war. Body Positivity par excellence.

Im Grunde zeige ich auch mit meinem Contouring-Tutorial, was „normal“ ist und was nicht. Normal ist nämlich, dass mein Gesicht nicht perfekt ist. Ungeschminkt, mit „optischen Makeln“ wie Rötungen, Mitesser, fahler Teint oder ähnliches ist in der Regel nicht das, was viele unter einer „natürlichen Optik“ verstehen. Wie viele Frauen kennt ihr, die nicht einmal ungeschminkt zum Postkasten gehen würden? Ich war früher auch so. Ich bin aufgestanden, bevor mein damaliger Freund wach wurde, nur um mich zu schminken. Schön verrückt. Warum war das so? Weil die Werbung mir eingebläut hat, wie „perfekt“ ich auszusehen hätte, weil mein Selbstbewusstsein damals nicht das größte war.

Bei den meisten Beiträgen im TV und in Zeitschriften fällt mir immer wieder auf:
Es wird in die Stereotypenschublade gegriffen. Gerade „Dick“ wird oft als erfolglos, faul, ungepflegt, dumm dargestellt. Über diese Extreme schämen wir uns wohl alle… mit denen vergleiche ich mich aber auch nicht. Unangenehmen Extreme gibt es in jeder Gewichtsklasse. Nicht wahr? Im Gegenzug dazu feiert man auf der anderen Seite Models wie Tess Holliday, als wirklich stark übergewichtige Frau, Ashley Graham mit einem sehr runden aber nicht extreme Körper oder die „Lagerfeld Muse“(genau, der Mann der gegen alle Menschen mit „Kontrollverlust“ wettert) Beth Ditto der Band Gossip, ebenfalls ein extremer Typ Frau, die sich für nichts schämt. Nur: wo bleiben die völlig normalen Frauen? Offenbar leben wir in einer Welt der Extreme, welche durch die Medien noch befeuert werden.

Ich bezeichne mich selbst nicht als mollig. Ein furchtbares Modewort. Mollig soll  „niedlich“ sein. Ich bin nicht niedlich. Mit „mollig“ verbinde ich persönlich „niedliche Motive in schrillen Farben und zu kleiner Größe an zu viel Körper“. Das ist nicht niedlich. Die Augen des „süßen Haustiers“ werden in zu kleiner Größe viel zu Groß. Der Elefantenprint…nun ja, sieht bei Übergewicht leider auch sehr plastisch aus. „Zelte“ sind auch nicht niedlich. Nein, ich bin nicht mollig. Ich bin dick – das ist zwar nicht gut so, aber es ist realistisch und ehrlich. Nicht niedlich.

Trotzdem bin ich schön und gepflegt. Körperpflege hat nichts mit Gewicht zu tun. Schönheit kommt von innen – aber ich kann natürlich mit der richtigen Kleidung und einem guten Make-up unterstützt werden.

Ich bin auch nicht dumm oder faul. Ganz im Gegenteil. Ich habe einen akademischen Abschluss, ich bin Diplom Wirtschaftswissenschaftlerin und ich bin beruflich erfolgreich. Was ich heute noch habe? Selbstbewusstsein. Hart und tränenreich erkämpft. Das heißt jetzt nicht, dass ich immun gegen Beleidigungen bin. Aber ich weiß, was ich kann und wer ich bin. Ich weiß, dass ich meinen Job wegen meiner Kompetenz habe, nicht wegen meiner Optik. Ich weiß, dass ich mehr zu bieten habe als „nur ein schönes Gesicht“, mehr als nur Äußerlichkeiten.

Ich gelte bei vielen die mich kennen als sehr diszipliniert, außer vielleicht beim Thema „Kuchen“. Wie war das? Ich bin so satt, ich mag kein Blatt…OHHHH! Kuchen!!! Das ist in der Tat eine Schwäche von mir.

Schönheit kommt auch von innen. Ja. Aber zugegeben, gerade wenn man zu dick ist, hat man es mit guten Genen leichter. Das bekannte „du hast so ein hübsches Gesicht“, welches ich bereits ansprach.
Wisst ihr, wann meine Kollegen lachen? Wenn ich beim Fototermin mal wieder lauthals rufe „Bitte von oben fotografieren, damit man das 2. Kinn nicht sieht!“.
Das Thema „du hast doch so ein schönes Gesicht“ greift auch kurvigeliebe.de auf.
Aber: Wir sind nicht nur Gesicht. Wir sind Persönlichkeiten. Ein Gesicht sagt euch nichts über die Fähigkeiten und Kenntnisse. Es sagt euch nichts darüber, ob der Mensch dumm oder intelligent, arm oder reich ist. Katja und Volker von kurvigeliebe.de ärgern sich genauso darüber wie ich.

Ich habe mich vor wenigen Tagen erschrocken, als eine Bloggerin – ein junges, wunderhübsches Mädchen  mit Kleidergröße 34/36 und thigh gap (die „Beinlücke“) sich wegen einer Falte am Bauch, die sonst kein anderer Blogger sah, mit einem „Wal im Sommeroutfit“ verglich und darüber berichtete, wie sie „in 4 Wochen eine Bikinifigur“ bekam. Selbst einige Männer haben geäußert, dass sie das wirklich nicht mehr nachvollziehen konnten, da die Figur schon auf etlichen Blogposts eindeutig perfekt war. Für alle normalgewichtigen Frauen, ich spreche nicht von dick, war dieser Vergleich ein Schlag ins Gesicht. Die meisten Frauen mit Ende 30 und alle, die schon ein oder mehrere Kinder bekommen haben, können darüber nur milde Lächeln. Das sind Probleme eines Anfang 20 jährigen „Mädchens“, welches als „Frau“ wahrgenommen werden will. Trotzdem frage ich mich: wie kommt sie zu dieser Fehleinschätzung, dieser gestörten Selbstwahrnehmung? Sind es Shows wie „Germanys Next Topmodel“, wo die ganze Internetgemeinte schon Angst hat, dass einige Teilnehmerinnen magersüchtig sein könnten? Immerhin gibt es dazu jetzt ein Kontraprogramm: Curvy Supermodel auf RTL2. Vorzeige-Kurve Angelina Kirsch ist auch an Bord. Sie ist wunderschön. Aber: muss man alle Mädels zum Teil so „vorführen“? Gut, was will man von „Qualitätssendern“ wie RTL2 erwarten. Aber immerhin haben sie wirklich sehr schöne Plussize-Frauen gefunden. Hierzu mein Lesetipp: Die volle Packung Körwichkeit bei Spiegel.de

Zurück zur Stereotypen-Schublade: ja, die Stereotypen erfüllen die Medien wirklich gerne!

Ich war vor einigen Jahren im Studium als Model für eine TV Show gebucht. Ich sollte „aus dem Publikum“ für ein Umstyling „zufällig“ ausgewählt werden. Soweit klar. „Zufälle“ gibt es…ja, die Medien verkaufen die Zuschauer gern für dumm. Die zufällige „Dicke“ aus dem Publikum, ohne Geschmack für Kleidung und Make-up: nein, das war ich nicht, das war eine Show. Gebucht ist gebucht.

Im Publikum musste ich einen unförmigen Sweater und eine unmögliche Lederhose tragen. So wäre ich nicht rumgelaufen. Dann wurde ich „umgestyled“…Manomann. Lagenlook mit teils nicht passender Kleidung (hier und da gezupft, dann ging das schon) und musste mich anschließend „freuen über den tollen neuen Look“…

Ja, auch ich muss einfach mal wieder mehr Sport machen. Ja, mein Gewicht könnte auch 20 kg geringer sein. Dann wäre ich noch immer dick – es wäre gesünder, aber ich wäre der gleiche Mensch: Beauty- und Fashionista von Herzen mit viel Verstand!

Also: Lächeln wir gemeinsam über die schlimmen Vorurteile und beweisen, dass es auch anders geht!

Wie ist eure Meinung zu dem Thema „Body Positivity“? Liebt ihr euch und euren Körper? Könnt ihr kleine Makel akzeptieren?

Aufschrei gegen Körperwahn – Serie „Hot Curves Hot Cars“ – Model: Uta – Foto: Lars Mischler Fotografie

Weitere interessante Artikel und Links zum Thema:

https://www.welt.de/kultur/article153272915/Es-ist-eben-nicht-jeder-Koerper-ein-Bikini-Koerper.html

http://www.stern.de/neon/magazin/akzeptanz-eigener-makel—body-positive–zu-sein-ist-ein-privileg–7590668.html

http://www.glamour.de/beauty/beauty-news/body-positivity

http://www.thebodypositive.org/

 

Ungeplantes Foto vom letzten Shopping-Weekend bei „Anziehend“ in Wetzlar

Asymmetrisch geschnittene Leinenjacke von NOOK

Kleiner Tipp wo ich privat immer tolle Kleidung finde:

  • Ulla Popken
  • Sheego
  • BonPrix
  • Navabi
  • Gerry Weber „Samoon“
  • Boutique „Anziehend“ in Wetzlar (klein aber fein mit ausgefallener Mode von z.B. Ophilia, NOOK und mehr…leider nicht ganz billig)

 

Bildquelle Beitragsbild: https://pixabay.com/de/ CC0 Lizensiertes Bild

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